Die Hände zum Himmel, Halleluja!

Büttenpredigt von Pfarrer Ingmar Maybach,



im Februar 2020

Liebe Gemeinde, ich sag es euch gleich:
Den Narren gehört das Himmelreich.
Voll Freude und Dank sagen wir da:
Die Hände zum Himmel, Halleluja.

Noch einmal zusammen, weil’s nicht deutlich war:
Die Hände zum Himmel, Halleluja.

Das heißt, wenn wir rechte Narren sind,
nehmen wir Gottes Reich an, wie ein Kind,
das die Hände voll Hoffnung zum Vater hebt,
weil es aus seiner Liebe lebt.
Man ruft, wie ein Kind zu seinem Papa:
Die Hände zum Himmel, Halleluja.

„Vater unser im Himmel“, so beten wir schon
seit 2000 Jahren, weil damals sein Sohn
so zu beten lehrte. Doch es ist auch nachzulesen,
dass Gott nicht schon immer im Himmel gewesen.
Denn am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
Auch Sonne und Mond, dass es heller werde.
Er schied die Feste vom Wasser, den Tag von der Nacht,
hat Pflanzen und Tiere und Menschen gemacht.
Wir Menschen lebten im Paradiese,
dabei ist die Vorstellung keineswegs diese,
dass das Paradies oben im Himmel sei.
Es war auf der Erde und Gott, der war bei
den Menschen. Seine Nähe und Gegenwart
hat uns Sorgen, Kriege und Kummer erspart.

Nun kam es, dass wir mehr Erkenntnis wollten,
doch vom Baum der Erkenntnis nicht essen sollten.

Wir aßen dann doch, aus Neugier und weil
der Wissensdurst ist halt von uns ein Teil.
So sind wir aus dem Paradies geflogen
und Gott hat sich vornehm zurückgezogen.

Weil Gott nun nicht mehr so nahe dabei,
hieß es fortan, dass er wohl im Himmel sei.
Wollte man mit ihm reden, was machte man da?
Die Hände zum Himmel, Halleluja.

Die Geschichte von Kain und Abel zeigt:
Gott sucht man oben, wo der Rauch hin steigt.
Seither, wenn Menschen sich Gott zuwenden
tun sie dies oft mit erhobenen Händen.
Drum sagen wir heute hier alle ganz klar:
Die Hände zum Himmel, Halleluja.

Die Probleme wuchsen seit Kain und Abel,
es gab Mord und Totschlag und den Turmbau zu Babel.
Gott sah sich das an und geriet in Wut.
Und zur Reinigung sandte er eine Flut.
Er befahl dem Noah eine Arche zu bauen,
darin Frau und Kinder und die Tiere zu verstauen.
Als sich nach der Flut dann die Wolken verzogen,
stand am Himmel der erste Regenbogen.
Das war Gottes Zeichen für seinen Bund.
Noah stand da, mit offenem Mund.
Als er Worte fand, was sagte er da?
Die Hände zum Himmel, Halleluja.

Die Bibel fängt an mit der Schöpfung, doch halt,
die Schöpfungsgeschichte ist gar nicht so alt,
wie die, wo das Volk durch die Wüste zieht.
Und Gott zieht als Wolkensäule mit.
Und wer diese Säule sah, dem war klar:
Die Hände zum Himmel, Halleluja.

Und als das Volk fast verhungert wär,
von wo kam in der Wüste das Manna her?
Gott schickt es von oben! Alle schrien: „Hurra!“
Die Hände zum Himmel, Halleluja.

Liest du alle Psalmen, weißt du, wenn du fertig bist,
dass Gott überall gegenwärtig ist.
Selbst wenn man unter die Erde geht,
wie es im Psalm 139 steht.
Und nähme ich Flügel der Morgenröte
und ginge ans äußerste Meer,
würde auch dort deine Hand mich geleiten
und Finsternis wäre nicht mehr.
Ganz gleich wo wir hingehen, Gott ist schon da!
Die Hände zum Himmel, Halleluja.

Im Psalm 121 hebt
ein Beter, der fest im Glauben lebt,
seine Augen zu den Bergen empor.
Doch stellt er sich Gott nicht auf dem Berg sitzend vor,
wie Zeus, der auf dem Olympos wohnt.
Nein, der Psalmbeter blickt an den Horizont,
wo er die Grenze von Himmel und Erde gedacht hat.
Hilfe kommt von dem, der beides gemacht hat.
So wird es sichtbar und man erkennt:
Gott ist in seiner Schöpfung präsent.
Wer das erlebt, der ist sehr gut dran,
spürt Gottes Nähe überall und kann
zuversichtlich vor Gott hintreten.
Und alles umfassend kann er dann beten:
Die Füße auf Gottes Boden, wie wahr,
und die Hände zum Himmel, Halleluja.

Der Volksglaube sagt, dass nur die Frommen,
die auf Erden hübsch brav sind, in den Himmel kommen.
Das ist sehr verkürzt, muss ich euch sagen,
denn es geht darum, dazu beizutragen,
dass sein Reich heute schon sichtbar werde.
Nicht später im Himmel: nein, hier auf der Erde.
Es hat schon begonnen, ist noch nicht ganz da.
Die Hände zum Himmel, Halleluja.

Wie das Himmelreich ist, hat uns Jesus geschildert.
Mit Geschichten und Gleichnissen hat er es bebildert.
So ist zum Beispiel das Himmelreich
einem winzig kleinen Senfkorn gleich.
Ein fleißiger Mensch sät es in die Erde,
auf dass daraus eine Pflanze werde.
Und mit Gottes Hilfe wächst es dann
so hoch, dass es Vögeln Schutz geben kann.
Wir hören das Gleichnis und lernen daraus:
In kleinen Schritten breitet der Himmel sich aus.
Es fängt bei einem jeden an,
dass Gottes Reich weiter wachsen kann
bis er es vollendet. Das wird wunderbar!
Die Hände zum Himmel, Halleluja.

„Das ist alles ganz schön“, sagt manch einer nun,
„doch was genau sollen wir dabei tun,
damit Gottes Reich unter uns sichtbar werde.
So wie im Himmel, jetzt und hier auf der Erde?“
Es geht um unsere Mitarbeit
für Frieden und Gerechtigkeit.
Wenn wir das tun, ist er uns nah.
Die Hände zum Himmel, Halleluja.

Doch das Recht des Stärkeren hat zuletzt
sich wieder weltweit in Szene gesetzt.
Die Egoisten der Welt führt Donald Trump an
mit der Feinfühligkeit ner geladenen Pump-gun.
Der an nichts, außer an sich selber glaubt,
und den Einsatz von Landminen wieder erlaubt.
Er bremst das Recht aus, er bremst den Handel
und beschleunigt dafür den Klimawandel.
Sollte Trump die Wiederwahl nicht gelingen,
sollten alle Glocken vor Freude erklingen.
Für die Welt und auch für Amerika!
Die Hände zum Himmel, Halleluja.

Auch bei uns schießt man kapitale Böcke,
wenn man sich wählen lässt durch den Faschisten Höcke,
der Hass predigt und so das Feuer schürt,
das in Halle und Hanau zur Hass-Handlung führt.
Ein Mann, der in einer Haltung lebt,
wo man nur eine Hand nach oben hebt.
Dagegen halten wir ganz klar:
Beide Hände zum Himmel, Halleluja.

Frieden auf Erden scheint nach wie vor fern
zu sein. So wie das Reich des Herrn.
Man übt Angriffskrieg und Gegenschlag
in Jemen, Syrien, Iran und Irak.
Wir müssen arbeiten an einem Geflecht
aus Toleranz und internationalem Recht.
Der Weg scheint oft mühsam, steinig und weit
zum Frieden und zu Gottes Gerechtigkeit.
Es ist ein Weg mit kleinen Schritten
und wir dürfen Gott um Hilfe bitten.
Auf diesem Weg ist er uns nah.
Die Hände zum Himmel, Halleluja.

Die kleinen Schritte fallen auch nicht leicht.
Manchmal scheint es, dass man gar nichts erreicht.
Manchmal erntet solche Arbeit nur Spott:
„Ihr macht euch zum Narren für den lieben Gott“.
Liebe Gemeinde, ich sag es euch gleich:
Solchen Narren gehört das Himmelreich.

Es waren stets Narren, die zu Jesus kamen!
Die Hände zum Himmel, Halleluja. Amen.

Willkommen in den 20er Jahren!

Jahreslosung 2020, „Ich glaube; hilf meinem Unglauben“

Mk 9,24

Wie wird das neue Jahrzehnt?

Die letzten 20er Jahre waren geprägt von Aufbruchsstimmung nach dem Krieg, von Charleston, Minikleidern und aufkommender Emanzipation.

Die wilden 20er! Sie stehen auch für eine biographische Phase im Leben. In meinen 20er Jahren in Berlin fiel direkt vor meiner Haustür die Mauer und alles schien möglich zu sein, alle glaubten, dass mit dem Ende des kalten Krieges eine neue, bessere Zeit anbrechen würde. Nicht nur ich war voller Zuversicht. Ich hatte den festen Glauben, dass Gott es gut mit der Menschheit meint.

Zu Beginn der neuen 20er Jahre verspüre ich mehr und mehr Zweifel. Ist die Klimakatastrophe noch zu stoppen? Werden die Trumps, Erdogans und Orbans die Demokratie nachhaltig schädigen? Werden dann die Menschenrechte durch die Schwäche des Westens bald nach Saudischen oder Chinesischen Standards dekliniert?

Und wenn ich mich so denken höre, merke ich: ich werde wohl auch langsam alt. Ich glaube, hilf meinem Unglauben.

Auch heute, in dieser Welt, die in meiner Wahrnehmung aus den Fugen zu geraten droht, gehen junge Menschen auf die Straße und engagieren sich. Gegen den Klimawahnsinn, gegen Kohleverstromung, gegen AfD und Fremdenhass. Junge Menschen voll Glaube, Liebe, Hoffnung und Selbstvertrauen.

Junge Menschen am Anfang – oder kurz vor – ihren 20er Jahren.

Jeder hat seine eigenen 20er. Seine Zeit der Hoffnung und des Aufbruchs. Zu Beginn dieser neuen 20er Jahre sehe ich mehr Bedrohung als Aufbruch – aber ich bin ja eben auch keine 20 mehr.

Ich wünsche uns allen für das neue Jahrzehnt, die anpackende Zuversicht der eigenen 20er Jahre, dass wir bei allen Zweifeln weiter davon ausgehen, dass Gott es gut mit uns Menschen meint, und dass wir so zuversichtlich an seinem Frieden mitarbeiten. Herr, ich glaube; hilf meinem Unglauben.

Pfarrer Ingmar Maybach